Schwimmen, fliegen und mehr...


Das traditionelle Pfingsttreffen der DISG fand dieses Jahr vom Mittwoch, den 19 Mai bis Montag, den 24 Mai 2010 statt. Aus Termingründen konnten wir nur ab Donnerstag daran teilnehmen und mussten schon am Sonntag Morgen wieder die Rückreise antreten. Deswegen kann ich nur berichten, was wir, mein französischer Freund und ich, aus dem kleinen Luxemburg kommend, während den paar Tagen an diesem gelungenen Treffen erleben durften. So schleppten wir also, mit etwas gemischten Gefühlen, meinen neu erworbenen Schwimmer ins Hessische Bergland zum «Reich der urigen Buchen». 

Der Luftkurort Waldeck, uns bis dato unbekannt, liegt am Ufer des Edersees. Das gut ausgesuchte Ringhotel Roggenland machte einen exzellenten Eindruck. Kein Zweifel, hier waren wir richtig.

Als neue Mitglieder, und überdies noch als Greenhorns in Sachen Schwimmwagen, machten wir uns zuerst mal ganz klein. Wir beschränkten uns dem bunten Treiben beim Bürgerhaus zuzusehen und bestaunten die Vielfalt der dort anwesenden Fahrzeuge.

Das Abendessen war ganz ordentlich und etwas später in der Bar des Hotels vergrösserten wir unseren Wortschatz mit einem neuen deutschem Wort: Absacker.

Nach einigen Begrüßungsreden wurden am Freitag Morgen ein paar Böllerschüsse abgefeuert.Was da vorne aus den Musketen und Kanonenrohren herauskam, war im ganzen Nationalpark um den Edersee zu hören.

Dann wurden die ersten Motoren gestartet. In Gegensatz zu den vielen, etwas legeren “hast Du mich gesehen” Porschetreffen, an denen wir teilgenommen hatten, läuft hier die Chose bei Herrn Kötting etwas disziplinierter ab. Aufsetzen, Schwimmwagen rechts, Kübelwagen links, in Kolonne, marsch. Deutsch eben.

Und die vielen Autos machten sich auf den Weg nach Borken, zum Singliser See. Kein Fahrzeug ging unterwegs verloren. Und sollte ein Kriegsveteran während der Fahrt technische Probleme bekommen, so wartet die ganze Kolonne schön geduldig, bis der Schaden behoben worden ist. Wir staunten.

Unter strahlendem Sonnenschein wurden die Teilnehmer vom Marinereservistenverband empfangen. Die Gulaschkanone dampfte, der sympatische Geruch verleitete zum Verzehr der excellenten Gulaschsuppe und Würstchen.


Nur mein Magen wollte nicht so richtig, mein Schwimmer sollte doch heute zum ersten Mal wassern. Ob die Karre überhaupt schwimmt? Wie komme ich aus dem Wasser heraus? Wie funktionniert sowas? Der Versuch, meine Gedanken mit einem Gläschen Sekt zu beruhigen, war umsonst. Dank der Hilfe von Herrn Sprenger, welcher von meinem Freund Hermann Müller einen diskreten Hinweis über meine Unentschlossenheit bekam, ging es ruck-zuck ins Wasser hinein. Und tatsächlich, das Wägelchen schwamm.

Nach einigen Runden krebste sich mein Gefährt am Ufer aus dem feuchten Nass heraus. Das Auto benahm sich so, als ob nichts apartes geschehen wäre. Kein Tröpfchen Wasser war hinein-gedrungen. Unglaublich! Nach diesem Erfolgserlebnis fuhren wir gut gelaunt nach Waldeck zurück.

Das Buffet im Bürgerhaus war wie gewohnt hervorragend, die Bedienung sehr freundlich. In der Bar des Hotels wurden wir mit «Absackern» beste Freunde.

Am Samstag Morgen, nach einem deftigen Frühstück, wanderten wir zufrieden zum Bürgerhaus und schauten uns die Photoausstellung von der DISG und die Vielfalt der angebotenen Teile an. Und man wird ja stets fündig. Da ich zum Anmeldezeitpunkt noch nicht wußte, wie lange wir beim Treffen verbleiben konnten, hatten wir uns nicht für den Flug mit der Ju 52 eingeschrieben. Leider. Entschlossen fuhren wir zum Flugplatz, um wenigstens die bekannte D-AQUI aus nächster Nähe zu betrachten. Als ehemaliger Flieger konnte ich mir nicht entgehen lassen, im nahe gelegenen Hangar herumzuschnüffeln und sah eine echte «Tiger Moth» aus den Kriegsjahren, das Schulflugzeug der Englischen Piloten schlechthin. Nice day, indeed.

Schön, dass die Teilnehmer, die nicht mit der Ju 52 flogen, die Maschine von innen besichtigen konnten. Sie wurde mit neuen Pratt & Witney Motoren ausgerüstet und bekam moderne IFR Instrumente sowie ein Feuerlöschsystem eingebaut. Die Bremsen werden jetzt hydraulisch betätigt. Aber fliegen muss man sie immer noch mit dem «Hintern», so der Pilot.

Am Nachmittag fuhren wir unter der Führung von Herrn Kötting zum Sperrmauer Museeum . Als ich die englische Bombe vor dem Eingang des Museeums sah, erinnerte ich mich wieder an den Namen «Edersee». Der alte Film, der diese traurige Geschichte erzählte, blieb mir noch in guter Erinnerung. Beeindruckend war, dass wir heute mit unseren Autos über diese Sperrmauer gefahren sind.

Die Heimreise nach Waldeck führte uns stracks mitten durch einen schönen Golf Parcours. Es ist recht selten, dass man den Golfspielern aus einem Kübel- oder Schwimmwagen zusehen kann. Auf dem Platz vom Bürgerhaus angekommen, profitierten wir noch vom schönen Wetter und sahen uns das nette, romantische Städtchen Waldeck sowie das Schloss aus nächster Nähe mal richtig an.

Das Abendessen war wieder einmal von der feinen Sorte, der servierte Wein schmeckte vorzüglich. Erstaunlich für uns war die Tatsache, dass ein Gesangverein – sorry, ich kenne kein anderes Wort dafür – welcher aus einer Festlandgegend stammt, nur Matrosenlieder singt. Aber es war schön und lustig, denen zuzuhören. Einige Lieder waren uns sogar bekannt.

Am Sonntag Morgen luden wir den Schwimmer auf und verabschiedeten uns von den Clubmitgliedern, die sich schon auf die nächste Ausfahrt vorbereiteten. Frau “Christine” - das ist unser GPS - führte uns noch einmal am Ufer des Sees an einer großen Kolonne DISG Fahrzeuge vorbei, denen wir mit etwas Wehmut zuwinkten.

Fazit: ein tolles Treffen, das Dank des Einsatzes des DISG Vorstandes hervorragend gelungen ist. Wir haben vieles dazugelernt, viele nette Menschen kennengelernt, und wir werden es nicht versäumen, unseren Militär- und Oldtimerfreunden aus Luxemburg darüber zu berichten.


Paul Decker





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